Microsoft

Microsoft,
 
weltgrößtes Software-Haus mit einem Jahresumsatz (2001) von etwa 25 Mrd. US-$ und weltweit rund 48 000 Mitarbeitern. Microsoft bietet Programme, Informationstechnikdienstleistungen sowie Internettechniken für den Privat- und den Geschäftsbereich an.
 
Geschichte: Microsoft wurde am 4. April 1975 von den aus Seattle im US-Bundesstaat Washington stammenden Harvard-Studenten Bill Gates und Paul Allen in Albuquerque (New Mexico) gegründet, und zwar als reine Personengesellschaft (Corporation). Zuvor hatten die beiden Partner die Programmiersprache MBasic entwickelt, eine Variante des schon länger existierenden Basic. MBasic wurde in Lizenz durch MITS, die Herstellerfirma des Altair 8800, vertrieben und brachte so hohe Einnahmen, dass Microsoft u. a. das Betriebssystem QDOS des kleinen Computerhändlers Seattle Computer Products erwerben konnte. Dies war einer der Gründe, weshalb Microsoft 1980 von IBM den Auftrag erhielt, ein Betriebssystem für IBM-kompatible Personalcomputer zu entwickeln (IBM-PC). Am 12. August 1981 stellte IBM die ersten PCs mit einem 16-Bit-Betriebssystem vor, dem Microsoft Disk Operating System MS-DOS 1.0 (DOS). Kurz zuvor, am 25. Juni 1981, war die Microsoft Corporation in die Microsoft Inc. (entspricht der Geschäftsform einer GmbH in Deutschland) umgewandelt worden. Bereits 1979 war die Firma in neue Geschäftsräume in Bellevue in der Nähe von Seattle umgezogen. 1983 wurde die erste firmeneigene Hardware, die Microsoft Mouse, auf den Markt gebracht. Am 29. September 1983 lancierte Microsoft das Textverarbeitungsprogramm Word, indem alle Abonnenten der Fachzeitschrift »PC World« eine Gratis-Floppy-Disk mit der Demoversion des Programms erhielten. Als im Januar 1984 der Apple Macintosh vorgestellt wurde, gehörte Microsoft mit seinen Programmen Word, Excel und Works zu den ersten Software-Anbietern für diesen Rechner. Die Macintosh-Versionen dieser Programme waren den damaligen DOS-Varianten hinsichtlich Benutzerfreundlichkeit weit überlegen. Ende 1985 stellte Microsoft die erste Version der grafischen Benutzeroberfläche Windows vor, die sich später zum eigenständigen Betriebssystem entwickelte. Allerdings gab es damals so gut wie keine Anwendungs-Software für Windows, sodass es zunächst ein Mauerblümchendasein führte. Am 26. Februar 1986 zog Microsoft auf den Campus in Redmond, einem weiteren Vorort von Seattle, um, wo sich auch heute noch der Hauptsitz der Firma befindet (mit inzwischen 40 Gebäuden auf einem Gelände von etwa 39 ha). Am 13. März 1986 ging Microsoft an die Börse. 1990 begann für Microsoft mit der Markteinführung von Windows 3.0 eine neue Ära des Erfolgs. Diese Version des Betriebssystems mit grafischer Benutzeroberfläche war ausgereift, stabil und (für damalige Verhältnisse) benutzerfreundlich. Darüber hinaus gab es inzwischen eine breite Palette von Anwendungs-Software, u. a. von Microsoft selbst: Word 1.0 und Excel 1.0 für Windows kamen heraus. Weitere wichtige Schritte der Microsoft-Geschichte sind:
 
- Mai 1993: Markteinführung von Windows NT, der Profiversion von Windows, die sich vor allem durch ihre Netzwerkfähigkeiten vom bisherigen Windows abhob;
 
- August 1995: weltweite Lancierung von Windows 95;
 
- 1995: Microsoft erkennt die Notwendigkeit, Internet-Software zu entwickeln; Mitte des Jahres wird der Internet Explorer 1.0 vorgestellt;
 
- Mai 1998: Microsoft wird durch das amerikanische Justizministerium und 20 US-Bundesstaaten verklagt, gegen das Kartellgesetz verstoßen zu haben;
 
- Juni 1998: Windows 98 wird auf den Markt gebracht;
 
- Februar 2000: Windows 2000 erscheint;
 
- April 2000: Verkündung des Urteils im Kartellverfahren gegen Microsoft (Microsoft-Urteil) mit der Forderung, dass das Unternehmen aufgespalten wird;
 
- Juni 2000: Microsoft stellt das Konzept einer neuen Internetplattform, Microsoft. NET, vor;
 
- Juni 2001: Zerschlagungsurteil gegen Microsoft wird aufgehoben, aber das Unternehmen erhält Auflagen;
 
- 2001 erscheinen die aktuellen Versionen des Office-Pakets, Office XP (Juni), und des Betriebssystems Windows, Windows XP (Oktober). Außerdem übernimmt Microsoft im April die Firma Great Plains, einen der führenden Anbieter von Geschäfts-Software für kleine und mittlere Unternehmen;
 
- November/Dezember 2001: Microsoft und das US-Justizministerium einigen sich außergerichtlich, Einwände mehrerer Bundesstaaten sowie seitens der EU-Kommission bleiben bestehen.
 
Organisation: Gegenwärtig besteht Microsoft aus den folgenden Geschäftsbereichen (Gruppen, engl. groups):
 
- Personal Services Group (PSG): konzentriert sich auf Entwicklung von Software für die Online-Kommunikation zwischen Verbrauchern (engl. »consumers«) und Unternehmen (engl. »businesses«) sowie darauf, Anwendungs-Software als Dienst auf verschiedenen Plattformen zur Verfügung zu stellen (Application Service Providing, ASP). In die Zuständigkeit der PSG fällt u. a. die. NET-Initiative (.NET) von Microsoft.
 
- MSN & Personal Services Business Group: Netzwerkprogrammierung, alle Aktivitäten rund um das Microsoft Network (MSN).
 
- Platforms Group: verantwortlich für die Integration der unterschiedlichsten Dienste (wie die Informationsspeicherung, die Kommunikation, die Benachrichtigung des Benutzers über neu eingegangene Mitteilungen, die Beschaffung und den Austausch von Bildern, das Hören von Musik) in das Betriebssystem Windows.
 
- Productivity and Business Services Group: zuständig für Software, die zur Steigerung der Produktivität von Unternehmen und zur Überwachung von Geschäftsprozessen dient; dazu gehört z. B. das Paket Great Plains.
 
- Worldwide Sales, Marketing and Services Group: verantwortlich für das Marketing und die Verkaufsförderung von Microsoft-Produkten. Auch die weltweit verteilten Microsoft-Hotlines fallen in die Zuständigkeit dieses Bereichs.
 
- Microsoft Research (MSR): befasst sich mit der Weiterentwicklung der mathematischen Grundlagen der Informationstechnik (Informatik) und entwickelt Software, die Computer bedienungsfreundlicher machen soll.
 
- Operations Group: übergeordneter Bereich, der für die Verwaltung, Geschäfts- und Personalplanung sowie die Finanzen von Microsoft verantwortlich ist.
 
An der Spitze von Microsoft steht seit 1999 das sog. Geschäftsleitungsteam (engl. business leadership team), das sich aus 28 Personen zusammensetzt und von Bill Gates als »Chairman und Chief Software Architect« und Steve Ballmer als »Chief Executive Officer« (CEO) geleitet wird.
 
Geschäftsentwicklung:
 
- 1979: 28 Mitarbeiter, Umsatz etwa 2,5 Mio. US-$;
 
- 1981: 128 Mitarbeiter, Umsatz 16 Mio. US-$;
 
- 1985: 900 Mitarbeiter, Umsatz 140 Mio. US-$;
 
- 1991: 8200 Mitarbeiter, Umsatz 1,85 Mrd. US-$
 
- 1996: 20 500 Mitarbeiter, Umsatz 9 Mrd. US-$;
 
- 2001: 48 000 Mitarbeiter, Umsatz 25,3 Mrd. US-$.
 
Während die Umsätze stetig gestiegen sind, hat Microsoft 2001 zum ersten Mal in seiner Firmengeschichte einen Rückgang des Gewinns im Vergleich zum Vorjahr hinnehmen müssen (7,35 Mrd. US-$ gegenüber 9,42 Mrd. US-$ im Jahr 2000).
 
Produkte und Dienstleistungen: Die Software-Palette von Microsoft umfasst heute nahezu alle Bereiche, in denen Computer eingesetzt werden. Die wichtigsten Produkte sind: das Betriebssystem Windows (als Arbeitsplatz- und Server-Variante), das Büroanwendungspaket Microsoft Office, dessen Bestandteile - das Textverarbeitungsprogramm Word, das Tabellenkalkulationsprogramm Excel, das Datenbankprogramm Access, das Präsentationsprogramm PowerPoint und das Layoutprogramm Publisher - auch einzeln erhältlich sind, das integrierte Paket Works, das professionelle Datenbankprogramm Visual FoxPro, die Entwicklungswerkzeuge Visual Basic und Visual C++, der Web-Browser Internet Explorer, die Kommunikations-Software Outlook sowie ihre Server-Variante Exchange, die Projektplanungs-Software MS Project und das umfassende Unternehmens-Software-Paket Great Plains (Kundenpflege, Projektplanung und -steuerung, Verwaltung und Finanzen).
 
Microsoft versteht sich seit mehreren Jahren zunehmend auch als Anbieter von Informationstechnikdienstleistungen, die auf speziellen Internettechnologien basieren. Dazu zählen Passport (Technik zur Identifizierung eines Internetnutzers), Hotmail (ein kostenloser E-Mail-Dienst), MSN (der Online-Dienst von Microsoft),. NET (Microsofts Initiative und Technik für das Internet der nächsten Generation), bCentral (ein Web-Hosting-Service für kleine Unternehmen) und Microsoft TV (digitales Fernsehen).
 
Marktanteile: Während bei den Office-Anwendungen Anfang der 1990er-Jahre auch Konkurrenzprodukte noch nennenswerte Marktanteile besaßen, beherrscht Microsoft diesen Bereich heute fast absolut: Die Office-Pakete von Lotus (SmartSuite), Corel (Corel Office bzw. WordPerfect Office), Sun (Star Office) bringen es zusammen genommen auf weniger als 10 % Marktanteil, und das auch nur, weil sie deutlich preisgünstiger sind als Microsoft Office. Bei den Endanwenderdatenbankprogrammen teilen sich inzwischen Microsoft Access und FileMaker den Markt zu etwa gleichen Teilen, während bis vor ein paar Jahren noch dBase (ursprünglich Ashton Tate, heute Borland) und Paradox (früher Borland, heute Corel) die Vormachtstellung innehatten. Ähnlich wie bei den Office-Programmen sieht es bei den Betriebssystemen aus: Windows hat praktisch alle anderen Einzelplatzbetriebssysteme verdrängt, lediglich das Mac OS (Apple) kann sich noch mit knapp 10 % behaupten. Bei den Netzwerkbetriebssystemen hat Windows NT allerdings in dem offenen System Linux ernst zu nehmende Konkurrenz bekommen: Während der Marktanteil von NT in den Jahren 1998 und 1999 bei 38 % stagnierte, hat Linux von 16 % auf 25 % aufgeholt mit steigender Tendenz.
 
Standards: Obwohl Microsoft bei vielen Software-Techniken hinterherhinkte (so gab es lange vor Word Textprogramme wie Wordstar oder Wordperfect, der Internet Explorer kam Monate nach dem Netscape Navigator heraus), schaffte es das Unternehmen mit aggressiver Marktpolitik und Ausnutzen seiner Vormachtstellung auf dem Betriebssystemsektor, die eigenen Produkte gegen die Konkurrenz am Markt durchzusetzen, sodass sie heute in den jeweiligen Bereichen als Standards gelten. Darüber hinaus kann man Microsoft nicht absprechen, auch bei grundlegenden Techniken zum Setzen von Standards beigetragen zu haben. Zu nennen sind hier z. B. die Seitenbeschreibungssprache TrueType (zusammen mit Apple als Alternative zu PostScript entwickelt), die allgemeine Datenaustauschtechnik OLE sowie deren Weiterentwicklung ActiveX, die spezielle Austauschtechnik für Datenbanken ODBC, die Konfigurationstechnik Plug and Play (gemeinsam mit Intel für das Betriebssystem Windows 95 entwickelt und seitdem von allen Hardware-Herstellern unterstützt) und die neben Java sich langsam etablierende Internetprogrammiersprache C#.

Universal-Lexikon. 2012.

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